Im Jahr 2000 wird es in sämtlichen Rechnern zu Problemen kommen: Keiner weiß genau, ob es eher harmlos sein wird oder so dass gar nichts mehr funktioniert. Bei vielen Computersystemen wird zum Beispiel das Jahr 1999 als “99” genommen. Deshalb wird im Jahr 2000 logischerweise “00” angezeigt. Das bedeutet für den Computer 1900. Doch nicht nur bei normalen Computern, wie man sie zu Hause auf dem Schreibtisch stehen hat, kann es Schwierigkeiten geben. Bei Stechuhren, Barcode-Lesern und Filteranlagen wird es auch nicht ganz einfach sein. “Embedded systems” werden die Bauteile von Experten genannt, die diese Fehler verursachen. Das sind eingebettete Strukturen, die wie ein kleines Zahnrad in einem großen Uhrwerk, für eine einzelne Aufgabe zuständig sind. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sagt ein Beispiel für ein solches “embedded system” in einem kleinen Speicherchip in einem Fahrstuhl: Alles funktioniert richtig. Die Bauteile wurden vor einem halben Jahr gewartet. Doch eine kleine Systemuhr in der Elektronik wird im Jahr 2000 von “99” auf “00” umspringen. Das Sicherheitssystem glaubt, es wäre das Jahr 1900 und fährt den Fahrstuhl automatisch ins Erdgeschoss, weil, so “vermutet” das System, ein 100 Jahre lang nicht kontrollierter Fahrstuhl unzumutbar ist. Das könnte in Krankenhäusern, Wolkenkratzern und anderen Hochhäusern schwierig werden. Auch im normalen Haushalt könnten Geräte betroffen sein, in denen eine elektronische Uhr eingebaut worden ist. Elektronische Backöfen, Faxgeräte, Telefone, Musikanlagen, Videorekorden und alles was noch so im Haushalt gibt. Auf der ganzen Welt sind ungefähr 25 Millionen “embedded systems” im Einsatz.
Aber warum hat nur vorher noch keiner daran gedacht? Es wird so erklärt: Die Programmierer in den siebziger Jahren wollten wertvollen Speicherplatz sparen, indem sie auf die “1” und die “9” von z.B. 1985 verzichteten. Aber noch eine andere Möglichkeit gibt es: Die Programmierer hätten es viel besser machen können. Wir Menschen rechnen mit den Ziffern von 0 bis 9. Doch die Computer rechnen im Binärsystem; nur mit 0 oder 1. Hätten die Programmierer Speicherplatz sparen wollen, so wäre eine Datumsangabe sinnvollerweise im Binärsystem und nicht im Dezimal- oder einem anderen noch aufwendigeren Zahlensystem abgespeichert worden. Zum Beispiel beträgt die Anzahl der Tage vom 1.1.1900 bis zum 31.12.1998 genau 35794. In diesem Binärsystem sind das nur 16 Speicherplätze (für den Computer ausgedrückt als 1000101111010010). Der Kalender wäre auf diese Art bis zum Jahr 2079 funktionstüchtig. Anstatt dieser guten Möglichkeit machten viele Programmierer es anders: Sie programmierten das Datum im Format Jahr/Monat/Tag (98/12/31). Dabei wurde jede Ziffer zusätzlich noch wie ein Buchstabe angesprochen und brauchte so acht Speicherstellen. Die entstehende binäre Zahlenfolge belegt 48 Stellen im Speicher. Sogar die neuste Software wie z.B. Microsoft Excel 97 wird Probleme haben. Selbst Windows 98 wird ein Update brauchen. Nach diesem Update sollte alles funktionieren, meint Microsoft.
Lebensmittel erreichen Supermärkte womöglich nicht mehr#
Im vergangenen Jahr schickte der Barcode-Leser eines Lebensmittelgroßhändlers in Großbritannien Berge von Dosentomaten auf den Müll. Das kam daher, weil die Aufschrift “05” von dem Barcode-Leser für 1905 gehalten wurde, obwohl die Tomaten noch bis 2005 haltbar waren. Der Tomatenlieferant merkte das, weil er sich wunderte, wieso so viele Dosentomaten nachbestellt wurden. Was wird wohl passieren, wenn andere Supermärkte auch Probleme bei der Nachbestellung von Lebensmitteln haben?
Probleme mit Leitungswasser?#
In Coffs Harbour, einer Stadt in Australien, wurden die Uhren im Wasserklärwerk zum Test auf den 1. Januar 2000 gestellt. Gut, dass es jetzt schon ausprobiert wurde, denn sonst wäre das Wasser zu einem tödlichen Getränk für die Stadt geworden. Der Grund: Das Computersystem fügte dem Leitungswasser Reinigungschemikalien in völlig falscher Dosierung hinzu.
